Toleranzen von DDR-Elektrolytkondensatoren

30.06.2023 16:41 #86982
Ich habe zu dem Thema mal etwas recherchiert.
Im dicken "Handbuch elektronische Bauelemente" Ausgabe 1965 findet sich auf S. 506 folgender Abschnitt:

Kapazitaet_und_Toleranz.png

Eine TGL mit der zulässigen Abweichung gab es anscheinend zu dieser Zeit nicht.
Die "TGL 7198" für Niedervoltelkos von 1975 kann man netterweise hier einsehen:

https://katalog.ub.uni-weimar.de/tgl/TGL_7198_12-1975.pdf

und Folgendes lesen:

Elko_Toleranz.jpg

Elko_Bezeichnung.jpg

Weiterhin ist dort zu lesen, dass mit dieser TGL die TGL 7198 von 1966 abgelöst wird, welche auf der verlinkten Seite leider nicht gelistet ist.
1986 kam eine neue TGL 7198 (dort zu finden), in welcher die zulässigen Toleranzen etwas reduziert wurden.

Im Buch "Widerstände und Kondensatoren" von 1989 ist ein Auszug aus der TGL 7199 zu lesen, danach galt für HV-Elkos zu dieser Zeit bei <20µF Kapazität immer noch -10/+100% wie 1965!

HV-Elkos_TGL7199.jpg

Gruß - OC
Likes: 0
Der Mensch ist technisch weit fortgeschritten. Er kann Raumstationen bauen, sie im Weltall zusammenkoppeln und denkt an die Landung auf dem Mars, aber seine Entwicklung scheint seit der Steinzeit zu stagnieren. (Sigmund Jähn, erster Deutscher im All)
01.07.2023 12:23 #86983
Hallo OC,
ein interessantes Thema,
das führt einem vor Augen, was in alten Geräten verbauten Kondensatoren noch gut ist.
Bei der Messung erwartet man gern eine Punktlandung zu den angegebenen Werten.

Dieses Thema ließe sich erweitern, zu Kondensatoren, die zwingend ausgetauscht werden sollten und welche "Neuzeitersatzteile" stattdessen eingebaut werden sollten. Da sind diese Teerbomben, Arbeiterfahnen, ...

und die langlebigen Kondensatoren, die man bedenkenlos drin lassen kann, wie diese Folienkondensatoren.

Schönes Wochenende euch allen
Gruss Jürgen
Likes: 0
Viele Grüße aus Leipzig
01.07.2023 13:24 #86984
Hallo Jürgen,
Kanuspezi schrieb:Bei der Messung erwartet man gern eine Punktlandung zu den angegebenen Werten.
und genau diese Erwartungshaltung ist falsch. Zudem wurden die Toleranzen von den Schaltungsentwicklern selbstverständlich berücksichtigt. Zumindest in Monogeräten ist ein prophylaktischer Austausch (bis auf die bekannten "Problemkinder";) daher Zeitverschwendung. Bei Stereogeräten und Stereoboxen sieht es anders aus, aber auch bei Stereo-Verstärkern sind ausschließlich Koppelelkos betroffen.

Grüße R.
Likes: 0
Der Mensch ist technisch weit fortgeschritten. Er kann Raumstationen bauen, sie im Weltall zusammenkoppeln und denkt an die Landung auf dem Mars, aber seine Entwicklung scheint seit der Steinzeit zu stagnieren. (Sigmund Jähn, erster Deutscher im All)

Anmelden, um zu antworten.